Film

Im Dokumentarfilm „Freund oder Feind“ geht es um die ambivalente Beziehung zwischen dem Menschen und  seinem ältesten Haustier, dem Hund. Chronologisch wird die Entwicklung dieser einzigartigen Gemeinschaft von der  Domestikation bis heute mit packenden Bildern, emotionalen Geschichten und spannenden wissenschaftlichen Erkenntnissen erzählt. 

Die Domestikation

Die ältesten fossilen Funde von Hunden sind über 30.000 Jahre alt. Somit ist der Canis familiaris das älteste Haustier des Menschen. Doch was bewegte den Hund dazu, sich so eng an den Menschen zu binden?

Das romantische Bild, dass der Mensch den Hund erschaffen hat, indem er Wolfswelpen zähmte, ist nach neuesten Erkenntnissen ein Märchen. Höchstwahrscheinlich hat sich der Wolf als Abfallfresser auf den Müllhalden der Steinzeitmenschen selbst domestiziert. Doch weil Wölfe und Menschen in ähnlichen sozialen Strukturen leben und beide darauf angewiesen sind, durch eine ausgeklügelte Kommunikation und sogenannte „Spiegel-Neuronen“ im Gehirn mit ihren Sozialpartnern zu interagieren, konnte sich zwischen diesen beiden Tierarten eine erstaunliche Beziehung entwickeln. Hunde sind sogar genetisch auf das Zusammenleben mit Menschen programmiert.

Der Hund in der Geschichte

Die frühesten Bildnisse von Hunden zeigen Jagdszenen. Sie stammen von Felsmalereien aus dem Mittleren Osten und sind 8000-9000 Jahre alt. Bereits 4000 v.Chr. sind auf ägyptischen Abbildungen die ersten Hunderassen zu erkennen. Der Mensch hat also früh gelernt, sich den einstigen „Abfallfresser“ als Jagdhund, Wachhund, aber auch schon als reinen Begleithund zu Nutzen zu machen. Doch auch der Hund profitiert vom Zusammenleben mit dem Menschen: Er ist eines der erfolgreichsten Säugetiere des Planeten mit geschätzten eine Milliarden Individuen und ist somit 1000 x häufiger als sein vom Aussterben bedrohter Stammvater Wolf. Der Hund ist ebenso wie der Mensch weltweit verbreitet. Tatsächlich gibt es kein Volk auf der Erde das nicht mit Hunden zusammen lebt.

Die ambivalente Beziehung

Während früher der praktische Nutzen des Hundes überwog steht heutzutage in den Industrienationen vor allem der emotionale Nutzen im Vordergrund. So haben zahlreiche wissenschaftliche Studien bewiesen, dass das Zusammenleben mit Hunden die psychische und körperliche Gesundheit des Menschen und somit seine Lebensqualität entscheidend fördern. Gerade in unserer anonymen Massengesellschaft werden Hunde mittlerweile als Sozialpartner immer wichtiger. So werden viele Hunde als vollwertige Familienmitglieder angesehen und sind durch das Geschäft mit Futtermitteln, Zubehör, die tierärztliche Versorgung etc. zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Doch es gibt zu wenig Gesetze, die den Hund schützen, und zu viele, die ihm schaden. So darf fast uneingeschränkt mit Hunden gezüchtet und gehandelt werden, während immer strengere Hundegesetze in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Freiheit der Vierbeiner und ihrer Halter massiv einschränken. In manchen Schweizer Kantonen dürfen bestimmte angeblich gefährliche Hunderassen, sogenannte Kampfhunde, gar nicht mehr gehalten werden, was zur Folge hat, dass diese massenweise abgegeben, ausgesetzt und eingeschläfert werden. Die Medien schüren diese Hysterie noch, während in der Realität nur sehr wenige Vorfälle passieren, in denen Hunde Menschen ernsthaft verletzen. Der illegale Welpenhandel in Europa boomt. In regelrechten Fabriken vor allem in Osteuropa werden jedes Jahr abertausende von Hunden unter grausamen Bedingungen „produziert“ und im reicheren Mitteleuropa billig verkauft. Aber auch hierzulande gibt es Tierschutzskandale. Viele Rassehunde sind überzüchtet. So können Bulldoggen wegen ihrer völlig deformierten Schnauzen kaum noch atmen und über die Hälfte der Dobermänner stirbt an der Herzkrankheit DCM. Viele Züchter und Vereine vertuschen diese Probleme aber aus Angst vor einem Imageschaden und einem geringeren Welpenabsatz.

Der Hund in der Gegenwart

So ist der Hund im 21. Jahrhundert mehr denn je ein Spielball unserer Emotionen. Er wird aus falsch verstandener Liebe krank gezüchtet und fett gefüttert und hat mittlerweile mit den gleichen Zivilisationskrankheiten wie sein Partner Mensch zu kämpfen. Auf der anderen Seite wird er als Straßenhund erschlagen oder muss ein trauriges Leben mit Maulkorb und Leine fristen, wenn er der falschen Rasse angehört. Es gibt wohl keinen Menschen, der ein neutrales, gleichgültiges Verhältnis zu Hunden hat. Von manchen wird er gehasst und gefürchtet, von anderen wiederum geliebt und als Familienmitglied nach seinem Tod beerdigt und betrauert. Doch all dies hält den Hund nicht davon ab, auch im 21.Jahrhundert an unserer Seite zu bleiben, ging er doch schon die letzten 30.000 Jahre mit dem Menschen durch sämtliche Höhen und Tiefen. Die Frage ob der Hund der beste Freund des Menschen ist muss also umgedreht werden: ist der Mensch der beste Freund des Hundes – oder sein schlimmster Feind?

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